Locomalito

Interview mit dem spanischen Entwickler
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Der spanische Entwickler Locomalito, den meisten Spielern durch seine Spiele 8bit Killer, L’Abbaye des Morts und Hydorah bekannt, war so freundlich sich die Zeit für ein kleines Interview mit Zockerperlen zu nehmen.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

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Zockerperlen: Was hat dich dazu bewogen Spiele zu entwickeln?

Locomalito: Ich glaube, dasselbe wie jeden Entwickler - die Liebe zu den Spielen, die ich als Kind gerne gespielt habe. smilie

Zockerperlen: Was bedeutet der Name Locomalito, bzw. wie bist du als Entwickler zu diesem Namen gekommen?

Locomalito: Locomalito ist ein alberner Name den mir jemand verpasst, also ich R-Type zu Spielhallenzeiten spielte. Ich war so aufgeregt als ich das letzte Level erreichte, dass ich Siegesgesten im ganzen Raum vollführte. Zwei Typen sahen mich spielen und bezeichneten mich dann als Locomalito, was spanisch ist und verrücktes kleines Kind bedeutet.

Ich habe den Namen einfach behalten, weil er die Gefühle von diesem Tag so treffend beschrieb. Es ist das Gefühl des Erfolges nach einer harten und langen Herausforderung, die erst nach viel Beobachten und vielen Versuchen kommt.

Zockerperlen: Du benutzt (wie so viele andere auch) zum Entwickeln deiner Spiele das Programm Game Maker. Was sind die Gründe die für den Einsatz des Game Maker sprechen? Wie hast du dir all das Wissen, welches für die Entwicklung notwendig ist, beigebracht?

Locomalito: Ich hatte nur wenig Erfahrung als Programmierer und als Anfänger ist Game Maker sehr einfach zu benutzen. Es erlaubte mir, die Arbeitsergebnisse vom ersten Moment an zu sehen, was einen sofort für die Arbeit belohnt. Außerdem habe ich nach Jahren der Benutzung nicht das Gefühl, ein anderes Programm zu brauchen, denn faktisch gesehen hat Game Maker alles was ich benötige, um die Art von Spielen zu machen die ich mag.
 Hydorah im Game Maker 8
:: Hydorah im Game Maker 8 ::

Zockerperlen: Welche Tipps hast du für angehende Entwickler?

Locomalito: Nun... es gibt einen sehr guten Satz von TIGsource.com der besagt: Mach die Spiele, die du machen willst. Das ist tiefgründig, denn ein mit Liebe gemachtes Spiel ist sowohl für den Entwickler als auch für die Spieler cool.

Zockerperlen: Welche Videospiele haben dich geprägt, als Spieler wie als Entwickler?

Locomalito: Da gibt es viele, vor allen Dingen Spielautomaten, die einfach pure Action bieten. Aufzählen könnte ich da Gradius, R-Type, Contra, Ghost'n'Goblins, Golden Axe... Und außerdem Spiele wie Shadow of the Beast, Maze of Galious, die Castlevania Reihe...

Und richtig tolle Indie Games wie La Mulana, was etwas für richtige Gamer ist, und kleine coole Spiele wie Virtual Silence oder Seven Minutes.

Zockerperlen: Was ist für dich das wichtigste Element eines Spiels?

Locomalito: Die Seele. Wenn ich daran denke, ein Spiel zu spielen, denke ich meistens an eine konkrete Sache, die ich gerne in dem Spiel tue. Wenn das Spiel mit der eigentlichen Idee über einstimmt, kann ich mich leichter damit verbinden und das gibt einem ein wirklich belohnendes Gefühl beim Spielen.

In La Mulana geht es zum Beispiel um Entdeckung und Abenteuer, also weiß ich, dass das Spiel die richtige Wahl ist, wenn ich eine Herausforderung und Entdeckungen möchte.

Ein bekannteres Beispiel ist auch Doom, wo es um die Hölle und Todeskämpfe geht. Das Spiel ist nun etwas veraltet, aber jeder erinnert sich gerne daran und zieht es neueren Spielen vor, selbst wenn sie fabelhafte, wertvolle Produktionen sind.

Zockerperlen: Zu deinem Spiel Hydorah. Nicht wenige Spieler hatten mit dem knackigen Schwierigkeitsgrad zu kämpfen. Wie schätzt du das ein, wie schwer ist das Spiel für dich selbst?

Locomalito: Nun, Hydorah ist nicht schwerer als meine anderen Spiele und es ist um Längen einfacher als seine Eltern (Gradius, R-Type etc.). Für mich gibt es zwei Arten von Spielen: Welche, die man eher zur Entspannung spielt und dann die, die eine Herausforderung darstellen, und Shmups (Shoot'em Ups) sind alles andere als entspannend. smilie

Zockerperlen: Du hast drei Jahre an Hydorah gearbeitet. Wie teilt sich dieser Zeitraum auf? Wofür ging wie viel Zeit drauf?

Locomalito: Ich habe immer an verschiedenen Aspekten des Spiels gleichzeitig gearbeitet, damit keine Langeweile entsteht weil man immer wieder dasselbe tut. Mir gelingt es gut, nachdenken, zeichnen und programmieren zu kombinieren.

Schwieriger ist es, Levels so interessant zu machen, dass sie auch noch beim erneuten Spielen aufregend sind.

Es hat unzählige Stunden und tausende von Versuchen gebraucht, kleine Veränderungen, Reparaturen, Upgrades und Rythm Controlling zu machen.

Zockerperlen: Drei Jahre Entwicklungszeit. Gab es da Phasen in denen die Motivation gesunken ist?

Locomalito: Ja, immer bei Sachen die fast bedeutungslos für das Spiel sind wie zum Beispiel Menüs, Speichersysteme und sowas. Um die Flamme meiner Motivation am Leben zu erhalten habe ich Filme geguckt und Spiele gespielt, die ein ähnliches Thema haben. Es ist auch wichtig, dass man jemanden hat, der einen wieder aufbaut - in meinem Fall war das dann Gryzor87. smilie

Zockerperlen: Was für ein Gefühl war es nach drei Jahren endlich den Abschluss bei Hydorah zu erreichen?

Locomalito: Es ist schwer zu beschreiben. Es war ein wahr gewordener Kindheitstraum. Es war toll, weil ich viel Feedback von Leuten bekam, die dieselbe Einstellung zu Shmups haben wie ich. Es war auch ein bisschen traurig, letztendlich die Tür des Träumens und Machens zu schließen.

Zockerperlen: 30 Bossgegner bei Hydorah. Woher hast du die Ideen für soviele Bosse gehabt?

Locomalito: Ich glaube ich habe über die Jahre zu viele Spiele gespielt und mich auch viel mit Sci-Fi Sachen beschäftigt, so dass es einfach war dieses und jenes zu mixen und den Bossen etwas Persönliches zu verpassen. Es gibt auch noch viele, die ich gar nicht verwendet habe, aber ein Mann muss wissen wann er aufhören sollte, hehe!
 IconMaker - Hydorah Boss
:: IconMaker - Hydorah Boss ::

Zockerperlen: Auf deiner Homepage schreibst du dass 8bit Killer anfangs ein Experiment von dir war. Gibt es noch weitere, von denen wir bis jetzt nichts wissen und auf deren Fortführung wir uns irgendwann freuen können?

Locomalito: Auf jeden Fall! L'Abbaye des Morts war auch ein kleines Experiment, und gerade jetzt arbeite ich mit Gryzor87 an einem kleinen Spiel das auch auf dem Erfolg eines Experiments basiert. smilie

Zockerperlen: Du hast auf deiner Homepage noch zwei bis jetzt nicht abgeschlossene Projekte, eines davon ist The Curse of Issyos. Kannst du meinen Lesern etwas mehr (als die Infos auf deiner Seite) darüber verraten?

Locomalito: The Curse of Issyos ist ein Spiel der Art von Shinobi, Ghost'n'Goblins, Rygar und anderen Arcade Action Spielen. Es basiert auf griechischer Mythologie, hat aber auch kleine futuristische Elemente wie Laserwaffen und Bronzeroboter. Zuerst sah es wie ein NES Spiel aus, aber nun habe ich die Grafiken geändert, so dass es mehr nach einem Arcadespiel aussieht.

Außerdem ist auch noch ein kleines Spiel in Entwicklung. Es geht um eine Virusinfektion und es ist noch gar nicht auf der Internetseite, denn ich bin sehr in die Entwicklung vertieft, so dass ich gar keine Zeit für ein Update mit Informationen hatte.

Zockerperlen: Dann wäre da noch Grialia. Wie lange arbeitest du schon daran und ist ein Ende überhaupt schon in Sicht?

Locomalito: Ich hab mit Grialia vor 8bit Killer angefangen, ich glaube im Sommer 2007, hatte es aber für Jahre auf Eis gelegt. Ich werde vermutlich dieses Jahr wieder damit anfangen, daran zu arbeiten, kombiniert mit Issyos, wenn ich das kleine Spiel veröffentlicht habe. Wer weiß... Jedenfalls wird Grialia in seiner Entwicklung ganz schön viel Zeit fressen, denn ich muss es sozusagen über einer niedrigen Flamme kochen!
 Grialia
:: Grialia ::

Zockerperlen: Deine Spiele 8bit Killer, Hydorah und L’Abbaye des Morts bedienen jeweils unterschiedliche Genres. Macht es dir besonders Spaß jedes Mal etwas komplett anderes zu entwickeln?

Locomalito: Ich schmeiß immer das ganze Fleisch auf den Grill, das heißt, wenn ich die Arbeit an einem Spiel beende, habe ich keinen Inhalt für ein weiteres Spiel oder eine Fortsetzung. Ob ich dieses oder jenes Spiel weiter entwickle hängt auch von meiner Laune ab, die sich wie bei jedem immer mal wieder ändert. smilie

Zockerperlen: Was macht dir beim Entwickeln am meisten Spaß? Grafiken erstellen, Progammieren oder etwas ganz anderes?

Locomalito: Zu sehen, wie hinterher alles funktioniert! Ein Beispiel: Ich zeichne ein Sprite von einer Explosion, ein zerstörtes Schiff und Metallpartikel, dann programmiere ich die Explosionssequenz, geb dem Schiff eine fallende Bewegung und füge ein paar Geräusche ein. Das tolle und lustige ist dann, tatsächlich zu sehen, wie das ganze lebendig wird.

Ich mußte auch oft lachen, wenn etwas Unerwartetes passierte, wie zum Beispiel das eine Explosion das Sprite des fallenden Schiffs hat oder sowas. smilie

Zockerperlen. Welches würdest du als das beste bzw. wichtigste deiner Spiele bezeichnen?

Locomalito: Ich denke sowohl Hydorah als auch Grialia, denn sie sind meine ältesten Ideen und die, die mehr Arbeit und Zeit von mir verlangen. Oft musste ich Dinge komplett neu machen.

Aber wenn du mich so fragst ist für mich immer das Spiel das Beste, an dem ich momentan arbeite, eben weil ich tief an dieses glaube.

Zockerperlen: Du arbeitest bei deinen Spielen immer wieder mit anderen Leuten zusammen: Gryzor87, Marek Barej, RushJet1. Kannst du ein bisschen mehr über sie verraten und wie es zu der Zusammenarbeit gekommen ist?

Locomalito: Erst mal ist es hart und man überschätzt sich selbst, wenn man alles wirklich gut und ganz alleine machen will, also schrieb ich Rushjet1 an und bat ihm um welche von seinen tollen Liedern für 8bit Killer und er stimmte zu. Das war wirklich toll weil er die Lieder in .NSF, dem original NES Soundformat schrieb, also waren die Lieder großartig, passten perfekt zum Spiel und wurden auf NES-Art gemacht.

Gryzor87 ist ein Genie und ein sehr enger Freund, der in meiner Stadt lebt wodurch es sehr einfach ist, mit ihm zu arbeiten. Ich lernte ihn als den Freund einer Freundin meiner Frau kennen. Eines Tages entdeckte ich sein Talent für Musik und nach einiger Zeit entdeckte er meine Spiele (besonders Grialia) und von dem Tag an arbeiteten wir zusammen und teilten unsere Ideen miteinander.

Marek Barej ist ein polnischer Illustrator (nicht professionell). Er schrieb mir, um mir Feedback für 8bit Killer zu geben und wir begannen, uns über andere Dinge zu unterhalten. Er zeigte mir seine Zeichnungen und Sketche und am Ende fertigte er dann die Coverillustration für 8bit Killer an. Er ist ein wirklich cooler Typ und gibt den Spielen mit seinen Covern eine neue Note, weshalb ich bei den Illustrationen für die Cover meiner Spiele immer an ihn denke.

Zockerperlen: Welche 3 Indiegames würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?

Locomalito: LOL! Es ist ein lustiger Gedanke, auf einer einsamen Insel Indiegames zu spielen! smilie

Oh... auf jeden Fall La Mulana (ich rede zu viel darüber, aber wenn du schon fragst, hehe), vielleicht The Soul Of Dracula (welches leider wirklich unterbewertet wird, Anmerkung Zockerperlen: Damit hat er Recht, das Spiel ist genial!) und vermutlich VVVVVV.

Zockerperlen: Was denkst du über die Zukunft der Indiegames?

Locomalito: Nun ja... ich glaube, die Spieler sind ein bisschen davon gelangweilt, nur Superproduktionen zu spielen und dass sie nun etwas Intelligenteres suchen. Es gibt so viele kleine Indie Studios, die an solchen Spielen arbeiten von denen viele echt cool sind, aber ich möchte vermuten, dass mehr Leute an kostenlosen Spielen arbeiten, denn die Videospielszene braucht ein wenig Selbstlosigkeit um Videospiele in wirkliche Kunst zu verwandeln.

Zockerperlen: Danke dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Ich wünsche dir für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und freue mich bereits auf neue Veröffentlichungen von dir.

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:: Locomalito - Offizielle Homepage

Weitere Bilder:
 Hydorah Sketchbook
:: Hydorah Sketchbook ::
 Black Grotto 1  Black Grotto 2  Black Grotto 3
:: Black Grotto - Ein Level der es nicht ins fertige Hydorah geschafft hat ::

Kommentare

#1 :: Brian :: 22.01.2011 - 00:10 Uhr
Tolles Interview, gibt ein guten überblick über seine Arbeit
#2 :: Feli :: 21.01.2011 - 13:10 Uhr
Schönes Interview und sehr interessante Fragen! Die Geschichte wie er zu seinem Namen kam ist cool smilie
#3 :: Naglfar :: 21.01.2011 - 17:52 Uhr
Nettes Interview. Manches der Konzeptzeichnungen erinntert mich an Star Wars und Metroid - wohl etwas daran orientiert? smilie
Schon beeindruckend das man mit nem Game Maker doch sowas tolles schaffen kann.



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